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12.01.2021

iv-exklusiv: Hochkarätiger Roundtable von IV und BMLV zum Thema Blackout
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Den Ernstfall verhindern und alle Kräfte bündeln, falls er doch eintritt – am 11. Jänner diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Industrie und Infrastruktur im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung von Industriellenvereinigung und Bundesministerium für Landesverteidigung über die Prävention und den Umgang mit Blackout-Ereignissen.

Im Zentrum des – Corona-bedingt vorwiegend virtuellen – Tages, der von IV-Präsident Georg Knill und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eröffnet wurde, standen der intensive Austausch und vor allem die gemeinsame Vorbereitung rund um das Thema Blackout. Inhaltlichen Input gab es in Form zweier Impulsvorträge von Gerhard Christiner, Technischer Vorstand der Austrian Power Grid AG (APG) sowie vom Stv. Chef des Generalstabes GenMjr Rudolf Striedinger (BMLV).

Schon seit längerem tauschen sich IV und BMLV regelmäßig zum Thema Blackout wie auch zu anderen Sicherheitsfragen aus. Nun trafen sich erstmals hochkarätige Vertreterinnen und Vertreter aus Verkehrsinfrastruktur, Telekommunikation, Finanzwirtschaft, aus der Papier- und Zementindustrie oder der Elektro- und Elektrotechnikbranche in dieser Konstellation, um die unterschiedlichen Betroffenheiten, Herausforderungen und Maßnahmen zu diskutieren. „Durch diese breite Vernetzung möchten wir einen Beitrag zur besseren Vorbereitung für den Ernstfall leisten und das Risikobewusstsein für die Auswirkungen in den verschiedensten Sektoren schärfen“, erläuterte IV-Präsident Georg Knill das Ziel der Veranstaltung.

Blackout gehört zu sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Blackouts gehören neben den Gefahren von Naturkatastrophen, Cyberangriffen, Terroranschlägen und Pandemien zu den sicherheitspolitischen Bedrohungsszenarien des 21. Jahrhunderts. „Das Bundesheer wird daher als strategische Reserve der Republik Österreich auch hier wieder für Einsätze zur Bewältigung der Krise herangezogen werden. Denn das Bundesheer ist durch seinen Grundauftrag darauf ausgerichtet, auch dann noch zu funktionieren, wenn sonst nichts mehr funktioniert“, brachte es Verteidigungsministerin Klaudia Tanner auf den Punkt. Wesentlich sei aus ihrer Sicht:

  • Information. Beispielsweise habe das BMLV gemeinsam mit dem Gemeindebund heuer eine Informationsoffensive rund um das Thema Blackout gestartet.
  • Bewusstseinsbildung. Was kann der oder die Einzelne zur Vorsorge beitragen? Welche Handlungsoptionen gibt es?
  • Vorsorge. Wie bin ich am besten für den Ernstfall gerüstet, woran muss ich denken?

Prävention und Vorbereitung sind wichtig, Panikmache wäre jedoch vollkommen fehl am Platz. „Immerhin weist Österreich im internationalen Vergleich eine hervorragende Strom-Versorgungssicherheit auf“, wie IV-Vize-Generalsekretär Peter Koren, Leiter des Bereichs Klima, Infrastruktur, Transport, Ressourcen, Energie (KITRE), der die Veranstaltung eingangs moderierte, betonte. Man müsse sich vielmehr mit kühlem Kopf den vielfältigen Herausforderungen des Stromsystems stellen, wie u.a.:

  • Naturkatastrophen
  • Verstärkte Einspeisung von Strom aus wetterabhängigen Erzeugungsformen
  • Cyberangriffe
  • Dezentralisierung
  • Technisches und menschliches Versagen

Industrie besonders betroffen

Österreich ist keine Insel – Ausfälle in einer Region Europas können rasch zu einem Dominoeffekt im gesamten europäischen Verbundnetz führen. Das Beinahe-Blackout-Ereignis vom 8. Jänner 2021 hat diese Tatsache in Erinnerung gerufen. Gerade die Industrie ist von jeglichen Stromschwankungen besonders betroffen, ist sie doch auf eine stabile Stromfrequenz von 50Hz angewiesen. Schon geringe Netzschwankungen können in manchen Sektoren massive Schäden in der Produktion und in der Folge in den Lieferketten auslösen. Auch die Transformation der Industrie zur Klimaneutralität ist ohne sichere, ausreichende, erneuerbare Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen nicht denkbar.

Energieinfrastruktur: IV fordert raschere Genehmigungsverfahren

Die Energiewende ist vor allem ein gewaltiges Infrastrukturprojekt: Nur mit ausreichend Erzeugungsanlagen, Speichern und vor allem bedarfsgerechtem Netzausbau können Erzeugung und Verbrauch auch künftig in Einklang gebracht werden. Die IV setzt sich daher nachdrücklich dafür ein, dass das Thema Energie-Versorgungssicherheit bei sämtlichen politischen Vorhaben konsequent und umfassend mitbedacht wird – denn schon jetzt zahlen die Stromkunden für Versäumnisse im Infrastrukturausbau durch stetig steigende Netzkosten. Nicht nur deshalb drängt die Industrie seit vielen Jahren auf eine Beschleunigung der ausufernden Genehmigungsverfahren – und wird sich auch künftig mit aller Kraft dafür einsetzen. Denn andernfalls verzögern sich wichtige Infrastrukturprojekte, was ein Blackout-Ereignis umso wahrscheinlicher macht.

Im Rahmen zweier Podiumsrunden diskutierten Günther Ofner (Vorstandsdirektor Flughafen Wien AG), Thomas Arnoldner (CEO A1 Telekom Austria Group), Johann Pluy (Vorstandsmitglied ÖBB Infrastruktur AG), Harald Kräuter (Technischer Direktor ORF), Dietmar Böckmann (CEO Erste Digital), Wolfgang Hesoun (Vorstandsvorsitzender Siemens AG Österreich), Peter Oswald (Vorstandsvorsitzender Mayr-Melnhof Karton AG) sowie Rudolf Zrost (Vorstand Leube AG).

Hier finden Sie den Film zur Veranstaltung.

Kontakt: Judith Obermayr-Schreiber