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Wie kann baukulturelle Bildung gelingen?



Liebe Freundinnen und Freunde von Archijeunes
 
Vor wenigen Tagen haben wir die letzten Gäste verabschiedet: Am 10. und 11. September kamen etwa 40 VermittlerInnen aus Österreich, Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz auf unsere Einladung hin am Zürichsee zusammen, um sich über aktuelle Forschungsarbeiten, Projekte und Publikationen auszutauschen. Nach einer viel zu langen Zeit von nahezu ausschliesslich virtuellen Treffen genossen es alle Anwesenden sehr, sich einmal wieder in persona verständigen zu können. Entsprechend gab es neben den neun Inputs reichlich Raum für das gegenseitige Kennenlernen und informelle Gespräche. All jene, die nicht vor Ort dabei sein konnten, verfolgten das Treffen per Livestream. Etwa weitere 150 Interessierte nutzten diese Möglichkeit und waren online dabei. Die einzelnen Beiträge kann man sich hier anschauen.
 
Ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus ist immer bereichernd. Besonders freuten wir uns darüber, dass aus allen Landesteilen der Schweiz Vertreterinnen dabei waren. Auch das rege Interesse der Pädagogischen Hochschulen begeisterte uns. Das ist für uns ein gutes Signal, dass wir mit unserem aktuellen Projekt «Brennpunkt baukulturelle Bildung» auf dem richtigen Wege sind.
 
Wer sich über die Inhalte der einzelnen Referate informieren möchte, kann dies in unserem eigens zusammengestellten Book of Abstracts tun. Hier finden sich nicht nur die Zusammenfassungen der Vorträge, sondern auch kleine Porträts von Schweizer Vermittelnden, die sich im Rahmen des von Archijeunes initiierten «Langen Tisch baukulturelle Bildung Schweiz» engagieren. Es handelt sich also nicht nur um eine Dokumentation der Veranstaltung, sondern auch um eine erste kleine gedruckte Übersicht über Baukultur vermittelnde Institutionen.
 
Wir danken allen Anwesenden für ihren grossen Beitrag am Erfolg dieser Tagung. Auf die Frage, wie baukulturelle Bildung gelingen könne, gab es die unterschiedlichsten Antworten: Barbara Feller und Katharina Tielsch aus Wien wiesen auf die Potenziale der gegenwärtigen Krisen hin, um in der baukulturellen Bildung aktiv zu werden. Marta Brković und Anne Chantal Rufer aus Lausanne stellten den transdisziplinären Ansatz der baukulturellen Bildung heraus, der für die Schulen als potenzieller Querschnittsbereich momentan von grossem Interesse ist. Noëlle von Wyl aus Zug betonte, dass es dringend einen Wissenskorpus und eine didaktische Struktur brauche, um Lehrpersonen entsprechend auszubilden. Turit Fröbe aus Berlin plädierte dafür, zu zeigen, dass baukulturelle Bildung Spass macht und wie sich die Wahrnehmung dadurch verändert. Und vor allem rückte sie ins Bewusstsein, dass jede und jeder jederzeit mit baukultureller Bildung beginnen kann, denn Baukultur ist überall!
 
Mein abschliessendes Plädoyer zur Frage, wie baukulturelle Bildung gelingen könne, lautet: Nutzen wir die Krise als Momentum, nutzen wir den Raum, der uns umgibt, starten wir eine Informationskampagne zur baukulturellen Bildung, bauen wir eine Systematik für die Vermittlung auf – und das nicht nur für PädagogInnen, sondern auch für die Baukulturschaffenden!
 
Es gibt viel zu tun. Wir freuen uns auf die nächsten Schritte!
 
Mit spätsommerlichen Grüssen
Kathrin Siebert, Geschäftsführerin Archijeunes

PS: Meine herzlichsten Glückwünsche gehen an Ville en tête, die soeben den Baukulturpreis der Fondation vaudoise pour la culture gewonnen haben. Ihr habt es mehr als verdient!

Wir haben eingeladen:
Internationales Netzwerktreffen


Das Netzwerktreffen! Es war eine Freude, dass wir uns am vergangenen Wochenende so ganz real treffen und austauschen konnten. Vertreterinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentierten im Zentrum Architektur Zürich den aktuellen Stand ihrer Projekte und Forschung. Aus der Schweiz sprach die Archijeunes-Geschäftsführerin Kathrin Siebert, die für ein gemeinsames Wissen und eine gemeinsame Sprache plädierte, damit baukulturelle Bildung im Curriculum der Volksschule verankert werden kann; weiter präsentierte Noëlle von Wyl das neue Lehrmittel «Kinder erkunden die lokale Baukultur» und Cornelia Faisst stellte ihr Pro Bono-Projekt an der Universität Liechtenstein vor. Aus Österreich berichtete Barbara Feller von einer grossen Umfrage, in der (unter anderem) Mitarbeitende aus Politik und Verwaltung als wichtige MultiplikatorInnen für die Verbreitung der baukulturellen Bildung identifiziert werden; Marion Starzacher beleuchtete die Implementierung der baukulturellen Bildung an einer Hochschule und Monika Abendstein zeigte, wie sie ausserschulisch mit Kindern im Raum arbeitet. Zudem berichteten die Referentinnen aus Österreich von ihren Aktivitäten rund um die Initiative get involved an der Architekturbiennale in Venedig. Für die diesjährige Ausgabe «together what else» vom 22. bis 23. Oktober, kann man sich hier anmelden. Aus Deutschland schliesslich besuchte uns Angela Million, deren Publikation «Bildungsorte und Lernwelten» wir hier bereits präsentiert hatten; Päivi Kataikko-Grigoleit sprach über ihre Initiative «Jugend Architektur Stadt» und Turit Fröbe aus Berlin liess uns teilhaben an ihrer Forschung über die finnische Baukulturpolitik. Es waren zwei reichhaltige Tage, von denen wir noch lange zehren werden! Falls Sie nicht dabeisein konnten – die einzelnen Beiträge sind hier abrufbar.

Meilenstein für Archijeunes:
Podiumsdiskussion mit Silvia Steiner


Zwei Wochen vor dem Netzwerktreffen organisierten wir eine prominent besetzte Podiumsdiskussion, die uns einige neue Erkenntnisse brachte. Silvia Steiner, Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin der eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz, hält die gegenwärtige, nur teilweise Verankerung der baukulturellen Bildung im Lehrplan (wie unsere Studie «Baukulturelle Bildung an Schweizer Schulen» gezeigt hat) bereits für ausreichend. Wir sind da natürlich ganz anderer Meinung und haben die Dringlichkeit des Anliegens vor Augen. Vor allem freute uns das grosse Interesse an unserem Thema von Seiten der Geografie und der BNE-Fächer (Bildung für Nachhaltige Entwicklung): Klára Sokol, Direktorin von éducation21, und Monika Reuschenbach, Professorin an der PH Zürich und dort Fachbereichsleiterin Geografie, rückten insbesondere den ausgesprochenen Querschnittscharakter der baukulturellen Bildung in den Vordergrund. Für Oliver Martin, Leiter der Sektion Baukultur im Bundesamt für Kultur, ist eine Sache gewiss: Baukulturelle Bildung sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Eine Auseinandersetzung mit der Qualität der gebauten Umwelt sei zentral – mit dem Ziel, dass ein Bewusstsein dafür vermittelt wird, dass wir selber mitbestimmen können, wie diese Umwelt aussieht. Hierfür sei eine stufengerechte Vermittlung vonnöten. So proklamierte Martin «Wir machen jetzt das beste Lehrmittel Europas»!

Wir gratulieren:
Ville en tête erhalten Baukulturpreis!


Die «Stadt im Kopf», ja, das haben sie, die Leute von Ville en tête aus Lausanne. Der 2015 gegründete Verein geht auf die Initiative des Architekturbüros tribu‘ zurück, das hier bereits vorgestellt wurde. Ziel von Ville en tête ist die Sensibilisierung junger Menschen für die natürliche und gebaute Umwelt und vor allem für die Potenziale der Aneignung, die sich im städtischen Gewebe vor unseren Augen verbergen. Und sie stellen die Gretchenfrage, wie es sich nur die wenigsten getrauen: Für was brauchen wir eine Baukultur? (Sie haben darauf viele Antworten, das können Sie sich ja vorstellen…). Sofort nach der Gründung legte Ville en tête mit zahlreichen Initiativen und Aktivitäten los, an Schulen, aber auch ausserschulisch. Dass dieser jungen und innovativen Truppe dieses Jahr der Baukulturpreis der Fondation vaudoise pour la culture verliehen ist, verwundert da nicht weiter, ist aber natürlich grossartig – für Ville en tête, aber auch für die ganze Baukulturvermittlungs-Szene. Am 2. Oktober um 11 Uhr findet die Verleihung des Preises Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne statt. Sie wird live übertragen und kann hier mitverfolgt werden.

Aus unserem Netzwerk:
Chantier ouvert


Lange musste die Association pour la Danse Contemporaine (ADC) auf ihr neues Haus in Genf warten: Der Architekturwettbewerb fand 2013 statt, realisiert wurde das Gebäude von On Architecture erst letztes Jahr und im Frühling 2021 konnte die ADC den Betrieb aufnehmen. Die Holzkonstruktion auf der Place Sturm kann vollständig demontiert und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden. Vorerst darf der Pavillon für sieben Jahre stehen bleiben, so steht es im Vertrag mit der Stadt Genf. Um sich selbst mit ihrem neuen Standort und dem Quartier südöstlich der Altstadt zu vernetzen, hat die ADC den Genfer Verein Chantier ouvert an Bord geholt. Dieser stellte drei besondere Erkundungsgänge mit Künstlerinnen und Künstlern zusammen, die vom 23. bis 25. September gemeinsam unternommen werden können. Bisher grösstes Projekt des jungen Vereins ist der Pavillon La Buissonière im Parc Beaulieu ganz in der Nähe des Bahnhofs Cornavin. Über den Bau des Pavillons hat Chantier ouvert eine schöne Broschüre zusammengestellt.

Neu erschienen:
«Tous les jardins sont dans la nature»


Nach den Häusern, Wolkenkratzern und Brücken widmet sich unser Lieblingsautor und -zeichner Didier Cornille in seinem neuen Band nun dem Grünraum – der einen wichtigen Teil unserer Baukultur ausmacht. In «Tous les jardins sont dans la nature» stellt Cornille für LeserInnen ab 7 Jahren 10 Gärten vor – seien es künstlerische Spielorte, ökologische Experimentierräume oder mit Akribie geplante Parkanlagen. Auf 93 Seiten schlendern wir durchs Grün und durch die Jahrzehnte. Beginnend mit dem Park «Désert de Retz», der 1785 im französischen Chambourcy von François Nicolas Henri Racine de Monville angelegt wurde bis hin zum 1998 von Niki de Saint Phalle gestalteten Tarot-Garten im toskanischen Garavicchio. Tauchen Sie ein – das Buch ist bislang nur auf Französisch erhältlich.
Archijeunes
Baukulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche


Postfach 907
4001 Basel
office@archijeunes.ch
Ein gemeinsames Projekt
von SIA und BSA

   


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