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Baukulturelle Bildung schafft Resonanz


Liebe Freundinnen und Freunde von Archijeunes
 
Kennen Sie die Resonanztheorie von Hartmut Rosa? Seit ich die Gelegenheit hatte, ihn auf einem Symposium zur Architekturvermittlung live zu erleben, faszinieren mich seine Gedanken. In seinem umfassenden Text «Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung» versucht Rosa, gesellschaftliche Phänomene aus einem grundlegenden Streben nach resonanten Beziehungen heraus zu erklären. Resonanz kann immer nur dort entstehen, wo der oder das Andere eigenständig bleibt und mit eigener Stimme spricht. Auf dem Symposium sprach Rosa über Bildung, Räume und Resonanzen. Den Resonanzraum setzte Rosa in Beziehung zu fünf Bedingungen: physische, psychische, soziale, zeitliche und räumliche. Gelingende Bildung sei, so Rosa, eine Weltbeziehungsbildung. Darunter versteht er einen Zustand, in dem es gelingt, sich der Welt und sich gegenseitig wirklich anzunähern. Ganz konkret heisst das beispielsweise: Wenn die Umwelt eine Qualität hat und mich anzusprechen und zu prägen vermag, stehe ich in einem Antwortverhältnis zu ihr. Durchaus wegweisende Gedanken auch für unser Anliegen.
 
In diesem Sinne freuen wir uns auf eine resonante Beziehung zu Ihnen! Sagen Sie uns Ihre Meinung zu unserem Buch «Elemente einer baukulturellen Allgemeinbildung». Ist es, wie Benedikt Loderer bei hochparterre.ch urteilte, «das Buch zum Begriff» und eine «Regierungserklärung»? Oder ist es ein «Handbuch für Fortgeschrittene» und wünschten auch Sie sich «weniger Instruktion und mehr Konstruktion»? Hartmut Rosa weist explizit darauf hin, dass sich Resonanz durch potentielle Unverfügbarkeit auszeichnet: Eine Antwort kann auch ausbleiben. Wir hoffen natürlich auf das Gegenteil. Bisher ist das Interesse an unserem Buch beachtlich, wie sich an den Bestellungen zeigt. Ausserdem gilt in Sachen Resonanz, Rosa zufolge, das Gebot der Nicht-Erzwingbarkeit: Die Antwort kann nicht kontrolliert, gezielt und aktiv herbeigeführt werden, sondern stellt sich von allein ein. Zu guter letzt kann die Antwort auch durchaus in Widerspruch bestehen. Resonanz ist nicht mit Harmonie gleichzusetzen – wir diskutieren auch gern kontrovers. An dieser Stelle: Herzlichen Dank nach Biel an den Stadtwanderer!
 
Resonanz, insbesondere von Lehrpersonen, wünschen wir uns auch im Hinblick auf unsere Online-Bibliothek. Sie wird in wenigen Wochen für alle zur Verfügung stehen und kann per sofort exklusiv von interessierten Lehrpersonen benutzt und beurteilt werden. Schreiben Sie uns, wenn Sie interessiert sind! Übrigens können Sie als Lehrperson unser rotes Buch für Ihre Schule noch bis Ende März gratis bestellen. Natürlich wünschen wir uns auch weitergehende Resonanzen, beispielsweise in Form von neuen Lehrmitteln, die baukulturelle Bildung zentral behandeln. Und nicht zuletzt sind wir gespannt auf die Resonanz zu unserem Input auf der politischen Ebene sowie in den Podiumsdiskussionen, die wir in der zweiten Jahreshälfte an ausgewählten Pädagogischen Hochschulen führen werden. Wir sind überzeugt: Baukulturelle Bildung schafft Resonanz!
 
Mit beschwingten Grüssen
Kathrin Siebert, Geschäftsführerin Archijeunes

Unser Tipp:
Das Kultur- und Stadtmagazin «Coucou»


Die Regale unserer Online-Bibliothek füllen sich weiter, Tag für Tag, Woche für Woche. Die Bandbreite der Medien ist gross: Sie reicht von Bilderbüchern und Fachartikeln über Filme und Podcasts bis hin zu Spielen und Datenbanken. Wir sichten und wir wählen aus, wir legen auf die Seite und wir räumen ein. Unsere Mitarbeiterin Sabrina Zimmermann gewährt einen Blick hinter die Kulissen: «Das eine oder andere Mal stiess ich während meiner Recherchen zur Online-Bibliothek auf Fundstücke, die wir so zwar nicht in die Bibliothek aufnehmen, welche bei mir allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Eydus heissen die kurzen Gedichte, über die ich im «Coucou» stolperte, dem Kultur- und Stadtmagazin Winterthur. Dieses hat sich der «Poetographie» verschrieben, dem Bestreben «eine Stadt poetisch zu kartographieren, einen Atlas der Stimmungen, Geschichten, Bevölkerung anzulegen». Alle WinterthurerInnen sind aufgerufen, sich in diesen kollektiven Schreibprozess einzubringen, Eydus zu schreiben und so ihr Dasein in der Stadt in Worte zu fassen. Ausgewählte Gedichte werden abgedruckt, einige der Dreizeiler wurden vom Radio Stadtfilter vertont. Doch Baukulturelles scheint nicht nur in der «Poetographie» des Coucou auf, sondern findet auch auf nahbar-konkrete Weise in den Rubriken «Daheim im» und «Orte Winterthurs» Ausdruck: dort liest man vom Leben auf dem Schulareal oder in der Villa Sonnenberg, oder auch über das «Traurigste Trottoir Winterthurs». Spannend, erfrischend und unbedingt empfehlenswert, auch für alle ausserhalb von Winterthur!»

Projekt:
Wunderbrücke und Technorama-Park


Wer kennt es nicht, das Technorama in Winterthur? Als Kind hat man es besucht, mit den Eltern oder der Schulklasse, und später kehrt man mit den eigenen Kindern wieder dorthin zurück. Bekannt ist das Technorama für seine hervorragende Vermittlung der Naturwissenschaften, etwa von Physik und Chemie. Ab Frühling 2021 kommt – so Corona will – die Baukultur hinzu. Die Installationen sind zumindest fertig und bereit. Die Churer Bauingenieure von Conzett Bronzini Partner haben eine eigenartige, bis zu 17 Meter hohe Struktur aufgebaut, die so genannte «Wunderbrücke». Die Brücke ist begehbar, führt aber nirgendwohin, sondern zeigt, was Ingenieurbaukunst leisten kann. Sie steht in einem nagelneuen Park, geplant und ausgeführt von den Winterthurer Landschaftsarchitekten Krebs und Herde. Zusammen bilden Park und Brücke das neue Wahrzeichen des Technoramas. Die Idee geht zurück auf eine Initiative des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA, einem der beiden Trägerverbände von Archijeunes. Da er nicht mehr bis April warten wollte, hat der SIA einen Film gedreht und ins Netz gestellt. So können auch Sie schon jetzt das neue Wunder des Technoramas besichtigen.

Dialogreihe:
Wissensräume unserer Gesellschaft


Haben Sie heute Abend schon etwas vor? Falls nein, können wir eine spannende Veranstaltung im digitalen Raum empfehlen. Am 18. Februar 2021 startet eine fünfteilige Dialogreihe der deutschen Bundesstiftung Baukultur in Zusammenarbeit mit ANCB The Aedes Metropolitan Library zum Thema «Wissensräume unserer Gesellschaft». Zum Auftakt sprechen heute Donnerstag ab 18.30 Uhr der Architekt Diébédo Francis Kéré, der Kunsthistoriker Werner Oechslin und die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin Barbara Schneider-Kempf über «Wissensspeicher der Architektur». Kéré baut in Burkina Faso eine Schulbibliothek, Oechslin liess sich in Einsiedeln von Mario Botta ein Haus für seine Tausenden von Erstausgaben bauen und Schneider-Kempf leitet eine der grössten Bibliotheken Europas. Fachwissen ist also versammelt und Sie können sich ohne Umstände in das Panel einklinken. Die Teilnahme ist frei und es ist keine Anmeldung erforderlich. Hier geht es zur youtube-Übertragung.

Open Call:
Shared spaces in change


Die Pandemie hat uns noch fest im Griff, aber irgendwie ist doch ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Gut möglich, dass uns das Coronavirus fast zwei Jahre lang begleiten wird. Die monatelangen Einschränkungen, die finanziellen Notlagen für viele und natürlich die Krankheit selbst werden nicht spurlos an den Gesellschaften vorbeigehen. In Bern wollen es das Kornhausforum und das Architekturforum genauer wissen: Sie rufen in einem Open call zu Beiträgen für die Ausstellung «shared spaces in change» auf, die vom 11. November 2021 bis zum 23. Januar 2022 dauert. In der Ausstellung sollen aus den «einschneidenden sozialen Erfahrungen der Pandemie aussagekräftige Schlüsse für ein zukünftiges Neudenken von Öffentlichkeit» gezogen werden, heisst es in der Ausschreibung. Nicolas Kerksieck, seit 1. Januar 2021 neuer Leiter des Kornhausforums, setzt mit der geplanten Ausstellung und dem damit verbundenen offenen Prozess gleich ein erstes Zeichen. Beiträge können noch bis am 15. März 2021 eingereicht werden.
Archijeunes
Baukulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche


Postfach 907
4001 Basel
office@archijeunes.ch
Ein gemeinsames Projekt
von SIA und BSA

   






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