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Der Beginn einer wunderbaren Diskussion?


Liebe Freundinnen und Freunde von Archijeunes
 
Seitdem «Elemente einer baukulturellen Allgemeinbildung» vor vierzehn Tagen in Druck ging, hatte ich endlich Gelegenheit, das Buch in aller Ruhe, Beitrag für Beitrag, zu lesen und einen ersten Eindruck vom Ganzen zu erhalten. Dabei ist mir im Aufsatz von Anne Brandl der Begriff der Ästhetischen Fürsorge aufgefallen, der mich in vielerlei Hinsicht überraschte. Das Konzept des Buches scheint ja klar: Sechzehn ausgewiesene Fachpersonen beschreiben allgemein Wissenswertes über ihre Disziplinen, beispielsweise die Architektin Elli Mosayebi über Prinzipien des architektonischen Entwurfs am Beispiel der Tür, der Bauingenieur Joseph Schwartz über die schmerzliche Trennung der beiden Berufsfelder Architektur und Ingenieurwesen, Niklas Naehrig über die Herausforderungen des Projektentwicklers und Markus Koschenz über das Klimaziel «Netto-Null» und die drastischen Konsequenzen für die Bauproduktion.

In ihrem Beitrag «Baukultur als ästhetische Fürsorge» stellt die Raumplanerin Anne Brandl nun fest: «Um die Menschen für eine ästhetische Zuwendung zu urbanen Landschaften zu sensibilisieren, genügt reine Wissensvermittlung nicht.» «Fürsorge als eine Tätigkeit zur Erhaltung und Weiterentwicklung unserer gebauten Umwelt meint», so Brandl weiter, «dass wir die Bedeutung der Qualitäten unserer Umwelt ernst nehmen und sie mit sorgender Zuwendung bedenken. Ästhetische Fürsorge wiederum meint, dass diese Zuwendung eine sinnliche ist, eine Zuwendung, die von unserer Wahrnehmung ausgeht.»

Zur Frage, wie diese Wahrnehmung denn gebildet werden könnte, finden sich Ansätze in Roland Reichenbachs Beitrag «Baukulturelle Allgemeinbildung – eine bildungstheoretische Annäherung». Der Erziehungswissenschaftler Reichenbach schreibt: «Es wird bei der baukulturellen Allgemeinbildung um (1) Aneignung von Wissen, (2) Verfeinerung der Wahrnehmung und (3) Entwicklung von Urteilskompetenzen hinsichtlich lebensraumprägender Artefakte gehen» und fährt fort: «Bildung ist immer nur Selbstbildung», das heisst die Bildung des Selbst. Somit kann baukulturelle Bildung auch nichts anderes sein, als ein «Sich-zu-seinen-Lebensverhältnissen-in-ein-Verhältnis-setzen».
 
Wer mehr über die Perspektive von Reichenbach erfahren möchte, ist herzlich dazu eingeladen unsere Buchvernissage am 3. Dezember 2020 online mitzuverfolgen. Karin Salm wird mit Reichenbach und weiteren Gästen über unser Buch sprechen.
 
Die Diskussionen darüber, was alles zu einer baukulturellen Allgemeinbildung gehört, können beginnen. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen des Buches!
 
Herzliche Grüsse
Thomas Schregenberger, Präsident Archijeunes
 

Unser Tipp:
«Auf leisen Sohlen durch die Nacht»


Bald eröffnet die Online-Bibliothek! Wir füllen weiterhin Bücher und andere Medien in die virtuellen Regale. Sie dürfen aber schon mal reinschauen, bevor die Türen aufgehen. Unsere Mitarbeiterin Sabrina Zimmermann empfiehlt diesen Monat für Sie ein Buch, das zu nächtlichen Rundgängen inspiriert: «Es ist Nacht. Still verlassen sie das Haus, pirschen durch die menschenleeren Strassen des Dorfes, streifen durch den Wald, der noch im Dunkeln liegt. Sie sehen Altbekanntes in einem neuen Licht, nehmen die sie umgebenden Dinge mit allen Sinnen wahr – den erdigen Geruch des Bodens, über den sie gehen und das Knacken der Zweige unter ihren Schritten. Dieses nachtblaue, grossformatige Bilderbuch von Marie Dorléans ist auf Französisch und Deutsch erschienen. Es ist ein unaufgeregtes und eindrucksvolles Plädoyer dafür, sich mit Kindern die Welt zu erwandern und so die eigene Umgebung immer wieder (neu) zu entdecken.»

S AM: Führungen und Workshops
für Kindergärten und Schulen


Archäologie interessiert fast alle Kinder – aber wie sieht eine «Archäologie der Zukunft» aus? Der japanische Architekt Tsuyoshi Tane beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte eines Ortes, bevor er mit dem Planen und Bauen beginnt. Er nennt seine Methode «Archäologie der Zukunft» und das Schweizerische Architekturmuseum S AM in Basel widmet ihm seine aktuelle Ausstellung. Es gibt viel zu sehen und zu lernen, nicht nur für die Grossen. Für Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II bietet das S AM so genannte dialogische Führungen durch die Ausstellung an. So können etwa die Kleinen erfahren, wie Tsuyoshi Tane es konkret macht, mit seinen Bauten an den Ort zu erinnern. Und die Grösseren lernen mehr über seinen kreativen Umgang mit Alt und Neu.

In der Vernehmlassung:
Davos Quality System


Sie erinnern sich: Vor bald drei Jahren unterzeichneten in Davos zwei Dutzend europäische Kulturministerinnen und Kulturminister die «Davos Declaration», eine Grundsatzerklärung zur Baukultur. Das Bundesamt für Kultur BAK als treibende Kraft hinter der Declaration, ruhte sich indes nicht auf den (verdienten!) Lorbeeren aus, sondern arbeitet weiter an der Etablierung einer hohen Baukultur. Zu diesem Zweck wurde im November 2019 in Genf eine Tagung mit dem Thema «Getting the measure of Baukultur» veranstaltet, an der sich zahlreiche Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland darüber austauschten, wie Baukultur «gemessen» werden könnte. Die Erkenntnisse der Tagung führten schliesslich zum jüngsten Streich, dem «Davos Quality System», einem Werkzeug, das es einem erlauben soll, die baukulturelle Qualität eines Ortes anhand von acht Kriterien einzuordnen. Das vermutlich Bahnbrechende daran ist weniger der Versuch der Messbarkeit als vielmehr die Tatsache, dass Kriterien wie beauty, sense of place oder diversity gleichberechtigt neben functionality und economy stehen. Erst wenn alle acht Kriterien gut bewertet werden, kann von einer «hohen Baukultur» die Rede sein, fordert das Davos Quality System. Das BAK schickte die Vorlage kürzlich in die Vernehmlassung. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und den weiteren Verlauf der Dinge!

Neue Unterrichtseinheiten:
Interaktiv durch die Agglomeration


Ja, das Berner Quartier Bümpliz hat sich in den letzten 150 Jahren stark verändert –vom Bauerndorf zur urbanen Agglomerationslandschaft. So wie Bümpliz ist es vielen Ortschaften in der Schweiz ergangen. Deshalb eignet sich seine Geschichte bestens zur Illustration der allgemeinen Entwicklung der Verstädterung: Der Geograf Urs Kaufmann und der Landschaftsarchitekt Kaspar Ammann haben mit der Unterstützung des Bundesamts für Umwelt BAFU ein webbasiertes Lernangebot für die Sekundarstufe I konzipiert und stellen es allen interessierten Lehrpersonen gratis zur Verfügung. Die Unterrichtseinheit ist natürlich auch auf unserer Plattform zu finden. In der «Zeitspur», so heisst das Angebot, lernen die Schülerinnen und Schüler in mehreren Abschnitten verschiedene Akteure kennen, die aktiv oder auch nur passiv an der Veränderung teilhaben. Sie lernen so, dass Siedlungsentwicklung ein Gemeinschaftswerk ist, auch wenn nicht unbedingt alle zur gleichen Zeit am gleichen Strick ziehen.
Archijeunes
Baukulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche


Postfach 907
4001 Basel
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Ein gemeinsames Projekt
von SIA und BSA

   






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